06.02.2008

 

In Grovfjord steuerte ich den Campingplatz von Paul und Bodil Huber an. Paul kommt ursprünglich aus der Schweiz und war viele Jahre als Matrose um die Welt gefahren. Obwohl wir uns noch nie sahen wurde ich wie der eigene Sohn aufgenommen. Da der Platz über den Winter geschlossen ist durfte ich bei ihnen im Gästezimmer übernachten. Endlich konnte ich wieder einmal gründlich duschen und die Kleider waschen.

 

Am zweiten und dritten Tag ging ich zu den Nachbarn um beim Bau ihrer Hütte einwenig zu helfen. Sie hatten mit den beauftragten Schreiner kein Erfolg, deshalb bauen sie ihr Haus selbst zu Ende. Ich hatte viel Freude auf dem Bau und mit meiner Arbeit waren sie sehr zufrieden. Am liebsten hätten sie mich noch einige Wochen oder Monate behalten, doch ich wollte langsam aber sicher gegen Süden fahren. Die drei Tage vergingen sehr schnell und gaben mir wieder neue Kraft zum weiter reisen.  

 

Sonne
Nach 32 Tagen sah ich endlich die Sonne wieder
 

Wie bereits geschrieben fuhr ich anschliessend auf die Inseln von Tromsø. In Hansnes durfte ich nochmals ein Nordlicht der ganz besonderen Art geniessen. Am Schluss gab es ein 10 minütiges Finale wie ich es noch nie erlebt hatte. Auf Lyngen hatte ich zu wenig Geduld um auf besseres Wetter zu warten, deshalb fuhr ich schon bald einmal nach Finnland und Schweden. In Karesuando surfte ich einwenig im Internet und fand ein attraktives Angebot für die Hurtigruten. Ich erkundigte mich ob noch Plätze frei seien und ob ich das Auto tatsächlich kostenlos mitnehmen könne. Da ich in Pajala bei der Tochter von Paul eingeladen war fuhr ich weiter und erhielt kurz vor dem Ziel einen Anruf dass ich auf das Schiff könne. So habe ich eben 80km nördlich vom Polarkreis wieder gewendet und über Inari und Utsjoki Norwegen angesteuert. Ich habe immer mehrere Routen im Hinterkopf, leider dauern die Abklärungen manchmal etwas länger, so muss ich eben einige Extrakilometer in Kauf nehmen. Dass ich mit den Hurtigruten von Kirkenes bis nach Bergen fahren werde hätte ich nie zu Träumen gewagt.

 

In Finnland hatte ich endlich den gewünschten Schnee und die kalten Temperaturen. -21,6°C ist noch nicht so kalt, doch mir reichte es um draussen zu kochen und im Auto zu übernachten. In der Nacht hatte ich dank dem guten Schlafsack nicht kalt, doch es war unangenehm weil ich mich so dich einpacken musste.

 

Da es trotz Schneefall und Schneebedeckten Strassen sehr gut zum fahren ging war ich schon früh bei Tana bru. Wo soll ich die Zeit bis zum Ablegen der Hurtigruten verbringen? Ich entschied mich einmal mehr nach Berlevåg zu reisen. Der Platz von Dieter (ebenfalls aus der Schweiz) war geöffnet und bot mir den Luxus von einer warmen Stube und stundenlangem Internet.

 

In der zweiten Nacht fegte einen heftigen Wind durchs Dorf und um mein Zelt. Die Naturgewalten waren stärker als meine Behausung, eine Stange ging zu Bruch und das Aussenzelt wurde dadurch aufgerissen. Die Reparatur am anderen Tag nahm viel Zeit in Anspruch, doch jetzt sollte es wieder einwandfrei halten. Die letzen drei Nächte in Berlevåg durfte ich im Grillhaus schlafen.

 

Anstatt auf Åland feierte ich den Geburtstag in Kirkenes, das ist wenige Kilometer von der Russischen Grenze entfernt. Die Stadt selbst ist nichts schönes, doch ich musste noch zwei Tage auf mein gebuchtes Schiff warten.  

 

Midnatsol
Die MS Midnatsol
  

Am 30.1 war es dann so weit, punkt 10 Uhr lief die MS Midnatsol in Kirkenes ein. Auf dem Frachtdeck parkte ich mein Auto und bezog eine ganz edle Kabine. Mir wurde die Kabine 706 zugewiesen, eine der schönsten. Sie hatte ein grosses Doppelbett, Minibar, TV, Dusche, WC und ein grosses Fenster. In der Kabine war ich aber nicht oft, nur 5 Nächte zum schlafen, ansonsten war ich meist auf Deck 6 beim Bug zu finden. Das Frühstücksbuffet war nicht so abwechslungsreich, doch beim Nachtessen kam ich voll auf meine Kosten. Ich wurde einem tollen Tisch zugewiesen, wir hatten es sehr gut miteinander und waren wohl die lautesten und lustigsten. Mit der Zeit kannte mich das personal schon so gut, dass sie mich nach einer zweiten Portion fragten, da konnte ich nicht nein sagen. Als ich jeweils noch ein zweites Dessert bestellte schauten sie aber schön schräg drein. Am zweiten Abend wurde mein Dessert vom gesamten Personal singend und mit Flaggen serviert. Sie Gratulierten mir ganz herzlich zum Geburtstag. Wurde ich schon wieder ein Jahr älter um das Durchschnittsalter nicht ins Bodenlose zu stürzen? Ach nein, es war wirklich eine gelungene Überraschung.

 

An den ersten drei Tagen der Fahrt war ich stets auf meinem Lieblingsdeck, dem Deck 6. Nein, dort gab es nichts zu essen, sondern ich konnte draussen meine Speicherkarte mit der tollen Landschaft füllen. Stephan, mein Tischnachbar, ergänze die Foto Sammlung von Deck 9 aus, so kam eine lückenlose Dokumentation von rund 1500 Fotos zusammen. Nach dem überqueren des Polarkreis war die Küste mehr besiedelt und es hatte auch vermehrt Wald. Der Hohe Norden gefällt mir schon viel besser, da bin ich zu Hause.

 

Die Landschaft am letzten Tag war wieder interessanter, denn das Schiff musste sich durch viele kleine Inseln schlängeln.

 

Die Zeit auf dem Schiff verging viel zu schnell, ich hatte nie Zeit um dieses Mail zu schreiben, denn es war immer etwas los. Das Be- und Entladen an den 32 Häfen war immer interessant und abwechslungsreich. Der Himmel war meist bedeckt, doch am zweiten Abend konnten wir ein sehr schönes Nordlicht schauen. Am vierten Tag überraschten mich zwei, drei Orcas  die sich kurz blicken liesen.

 

In Bergen erlitt ich einen kleinen Kulturschock, der Übergang von der grenzenlosen Weite zur turbulenten Stadt konnte ich nicht ertragen, so war ich froh mitten in der Natur einen Stellplatz gefunden zu haben.