08.01.2008

 

Die Überfahrt auf die Lofoten war von hohen Wellen und starkem Wind geprägt, die 68 Meter lange Fähre schaukelte wie eine Nussschale über das Wasser. Die 2 Stündige Überfahrt genoss ich leicht bleich draussen neben der Kommandobrücke.

 

Auch am anderen Morgen, dem 24.12.07, stürmte es noch sehr stark und es regnete auch. Die Weihnachtstage sind schon speziell, doch wegen dem eine warme Hütte zu mieten kam nicht in Frage. Ich fuhr an die Küste und begann weit abseits von Häusern mein Zelt aufzubauen. Es war alles andere als leicht, denn es stürmte und regnete sehr stark. Nach langen 45 Minuten hatte ich mich gegen die Naturgewalten durchgesetzt und das Zelt stand. Ich richtete mich im Zelt gemütlich ein, hörte dem Regen und den heftigen Wellen zu und Ass Kambly Guetzli. Für das geplante Fondue konnte ich kein Brot beschaffen, da alle Geschäfte geschlossen waren, die Berner Rösti schmeckte aber auch ganz gut.

  

Weihnachten
25.12.2007 auf den Lofoten

 

In der Woche bis zum Silvester regnete es immer wieder und es war sehr düster. Wegen der Polarnacht und den Regenwolken sah man während dem ganzen Tag fast nichts. Ich bin froh nur ein Tourist zu sein und nicht hier leben zu müssen, denn mit Sonnenlicht ist die Stimmung schon viel besser. Das warten auf besseres Wetter überbrückte ich mit lesen, längeren Besuchen in der Bibliothek, denn dort konnte ich kostenlos surfen und mit viel schlafen.

 

Auszug aus dem Tagebuch vom 31.12.2007:

 

Als ich die Augen um 8.30 Uhr erstmals öffnete leuchtete der Horizont über dem norwegischen Festland in den schönsten Rottönen. Ich zog mich schnell an um Fotos zu machen, doch Fotos können eine solche Stimmung nicht wiedergeben.

 

Als ich losfahren wollte stotterte der Motor und die Lämpchen blinkten eigenartig. Ich unternahm mehrere Startversuche, doch es nützte nichts. Was ich schon länger befürchtet hatte traf heute nun ein. Ich kramte das Überbrückungskabel hervor und stellte mich damit an den Strassenrand. Nach kurzem hielt das erste Auto an, doch die zwei Frauen mussten zur Arbeit fahren. Wenig später kam ein weiteres Fahrzeug angefahren, das Helfen war selbstverständlich. Das ganze Prozedere dauerte nicht lange und mein Meriva hatte wieder Power.

 

Beim Abzweig nach Reine parkte ich und bestieg teils auf allen vieren einen nahen Berg, oder zumindest einen Teil davon. Es ist nicht die Route zum Panoramabalkon, sondern eine durchs Gebüsch. Als ich schon recht hoch war und keine Äste mehr im Weg waren machte ich einige Fotos von der Region Reine. Der Blick war ganz cool, von weiter oben wäre er bestimmt umwerfend. Zum weiter steigen ist mir das Risiko aber zu gross, denn der Tag ist sehr kurz, es ist nass, das Wetter kann sich sehr schnell ändern und ich bin alleine unterwegs.

  

Reine
Blick auf Reine
  

Um die Autobatterie wieder auf Vordermann zu bringen fuhr ich nach Ramberg. Unterwegs machte ich aber immer wieder Fotostopps. Die Berge und der Himmel leuchteten in einem schönen Rot.

 

In Ramberg fand ich wieder einmal ein grösseres Lebensmittelgeschäft vor um meine Vorräte aufzustocken.

Auf halbem Weg nach Selfjord fand ich einen geeigneten Übernachtungsplatz. Obwohl erst 14.30 Uhr war begann ich mit der Zubereitung von Omeletten. Der Platz wäre sicher gut, doch da heute Silvester ist fuhr ich zurück nach Ramberg um Feuerwerke zu sehen.

 

Nach dem ich Im Hafen Stellung bezogen hatte zündete ich das Laternchen an, setzte die Stirnlampe auf und begann zu lesen. Zwischendurch kochte ich mir 1 Liter Wasser und füllte es in den Thermoskrug ein, so konnte ich mir immer wieder einen Ricola Tee zubereiten.

 

Um 20.45 Uhr war ich mit dem Buch „Das Licht der Arktis“ zu Ende. Während dem lesen schaute ich immer wieder hoffnungsvoll nach draussen damit ich ja kein Nordlicht verpasse. Erst als ich das Buch zur Seite legte sah ich einen Regenbogenartigen Bogen. Er war grünlich und noch recht schwach. Ich hüpfte sofort aus dem Auto und starrte in den Himmel, beim Anblick lief es mir kalt den Rücken hinunter. Wie lauten die Fotoeinstellungen schon wieder? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Ich machte einige Aufnahmen und war schon bald auf dem richtigen Weg. Als das Nordlicht immer heller wurde und langsam Formen annahm war ich so überwältigt dass mir die Tränen über die Wangen kullerten. Ein solches Gefühl ist unbeschreiblich, ich war in meinem ganzen Leben noch nie so gerührt.

 

Etwa eine Stunde lang leuchtete der Himmel grün, anschliessend wurde es schwächer und es erlosch kurz. Ich schickte sofort einige Fotos nach Hause, danach begann der Himmel wieder zu leuchten. Das Licht tanzte aber nicht mehr. Gegen Mitternacht war nur noch ein langer, schwacher Streifen zu sehen. In der Ortschaft stieg viel Feuerwerk in den Himmel, doch in der Schweiz haben wir schöneres.

 

Zurzeit ist es 1.42 Uhr und das Nordlicht ist am einschlafen, es ist nur noch schwach am Himmel erkennbar. Ob ich einschlafen kann oder die ganze Nacht gespannt aus dem Fenster gucke schreibe ich im Eintrag von morgen.

 

Nordlicht
Silvester 2007

   

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Die Lofoten verlies ich nicht per Fähre, sondern fuhr die neue Route mit den Tunnels. Überraschenderweise muss man nicht einmal eine Maut bezahlen. Auf den Vesterålen fuhr ich nach Stø und nach Hovden. Wie auf den Lofoten hat es auch hier hohe Berge die imposant aus dem Meer ragen. Hovden hat mir ganz besonders gefallen, denn ich fand einen herrlichen Stellplatz direkt am Meer. Der Sandstrand ist feinkörnig und das Wasser leuchtet so schön wie in der Karibik. Am gegenüberliegenden Ufer ragen mächtige Berge in den Himmel.

 

Das Nordlicht, mein Traum der Träume, ging bereits 4 Mal in Erfüllung und ich bin am Ziel meiner Reise. Langsam aber sicher denke ich ans heimfahren, doch erst reise ich noch einwenig Nordwärts nach Tromsø und dann der Schwedisch-Finnischen Grenze entlang gegen Süden. So bald ich Deutschen Boden unter den Räder habe geht es wahrscheinlich nicht mehr lange bis ich zu Hause bin, doch bis dort ist es noch einen langen Weg.