07.11.2007

 

Nach dem verlassen der Pyrenäen war die Pont du Gard das nächste Ziel. Dieses sehr eindrückliche Viadukt aus der Römerzeit diente nur zum Transport von Wasser und gehört zu einer 50km langen Leitung. Zwischen der Quelle und der Stadt Nimes liegen nur 20 Kilometer, doch die Römer mussten einen so grossen Umweg bauen weil Berge im Weg waren. Das Gefälle auf den 50km beträgt nur 17m.

 

Pont du Gard
Die Pont du Gard
  

Nicht weit von der Pont du Gard entfernt gibt es eine wunderschöne Touristenstrasse oberhalb der Ardèche. Nach Jeder Kurve hat man einen anderen, noch schöneren Blick auf die Schlucht dieses Flusses. Am Ende dieser Schlucht kommt man zur Gorges de l’Ardèche. Im Sommer wimmelt es hier nur so von Kajaks die durch dieses Tunnel im Fels paddeln möchten.

 

In den französischen Alpen hatte ich die ersten Nächte unter dem Gefrierpunkt. Mein Thermometer zeigte bis zu -6,7°C an.

 

Turin habe ich umfahren und den nächsten Stopp im Tessin eingelegt. Halt, Stopp, das ist ja in der Schweiz… Ja genau, ich rief 2 Wochen vorher meiner Familie an und fragte ob sie Lust hätten mit mir ein Wochenende zu verbringen. Natürlich freuten sie sich riesig, auch meine Freude war sehr gross. So konnte ich einige Souvenirs und viele Sachen die ich nicht mehr gebrauche abgeben. Das Velo war das wichtigste, denn es hat sehr stark gelitten auf dem Dach. Ich bestellte natürlich auch noch das eine oder andere zur Optimierung meiner Winterausrüstung. Wir verbrachten ein wunderschönes Wochenende in Morcote miteinander das leider viel zu schnell vorbei war. Bevor ich die Schweiz wieder verlies bunkerte ich mein Auto mit Lebensmitteln. So eine Auswahl wie in der Migros oder dem Coop habe ich schon lange vermisst. Es gibt viele feine Sachen die ich im Ausland nicht besorgen kann. Jeder noch so kleine Freiraum wurde für eine Schokolade oder ein Guetzli ausgenutzt

 
Familie
Meine Familie auf dem Campingplatz von Melano
  

Am 23.10, dem 200. Tag verlies ich die Schweiz wieder nach Italien. Ich fuhr dem Comersee entlang und erreichte schon bald das erste Gebirge der Dolomiten. Die grosse Dolomitenstrasse konnte ich bei schönstem Wetter befahren, es war herrlich.

 

Nach Cortina d’Ampezzo machte ich eine radikale Routenänderung. Innert kürze entschied ich nicht nach Kroatien zu fahren sondern nach Österreich. Kroatien sei sehr schön und die Leute sehr freundlich, doch ich hatte irgendwie ein schlechtes Gefühl. In Kroatien hätten nur 2 Campingplätze geöffnet gehabt und auch sonst wäre nicht viel los gewesen, denn die Kroaten sind nur für den Sommertourismus eingerichtet. Jetzt wo es so früh dunkel wird gehe ich lieber auf Campingplätze.

 

In Österreich haben noch viele Plätze geöffnet und ich kann auf sehr gut Markierten Wegen lange Wanderungen machen. Das späte Herbstwetter kann ich hier voll geniessen. Die Campingplätze sind Spitzenklasse und die Preise sehr akzeptabel. Am Millstättersee fand ich wohl das exklusivste Sanitärgebäude von Europa.

 

Zurzeit bin ich auf einem der schönsten Plätze meiner Tour. Die Gastgeber sind sehr freundlich und hilfsbereit. Den Abend muss ich nicht draussen verbringen sondern habe eine schöne Stube für mich. Sie boten mir sogar den Mietwohnwagen an, doch darauf verzichtete ich gerne.

  
Dolomiten
 Teil der Dolomiten
  

Wie sieht das Nomadenleben im Winter aus?

Der Übergang vom Herbst zum Winter ist nicht immer einfach. In der Nacht sind die Temperaturen meist im Minusbereich, doch während dem Tag kann es in der Sonne schön angenehm sein. Sobald es aber eindunkelt wird es sehr schnell kalt. Viele Leute meinen, dass ich eine Heizung im Zelt habe, doch das kommt für mich nicht in Frage.

 

Ich beginne meist in den letzten hellen Minuten zu kochen und esse dann beim eindunkeln bei Kerzenlicht. Meistens ist es mit 3-5°C recht frisch. Während dem essen geniesse ich es in den Himmel zu schauen um zu beobachten wir immer mehr Sterne erleuchten. Nach dem Abwasch und dem Duschen packe ich mich dick ein und führe Tagebuch, lese ein Buch oder plane die Route der nächsten Tage. Wenn es ganz kalt ist mache ich diese Tätigkeiten auch mal im Zelt. In den Ausgang gehe ich eigentlich nie, doch heute Abend werde ich wieder mit dem Karatetraining beginnen. Heute steht das Training der Kinder Oberstufe auf dem Programm, da werde ich zuschauen. Am Freitag ziehe ich mein Trainer an und werde selber mittrainieren, ich bin ja gespannt wie gut es nach 7 Monaten noch geht. Ich habe nun eine Liste mit allen Dojos von Österreich auf meinem Laptop und versuche das eine oder andere Training mitzumachen.

 

Das Zelt packe ich jetzt meist nass oder sogar mit einer Eisschicht ein. Es ist nicht immer einfach es wieder trocken zu kriegen. Wichtig ist dass der Schlafsack trocken bleibt, sonst isoliert er nicht mehr gut.

 

Der Schnee ist auch schon in Sichtweite, teils fahren sie bereits Ski. Seit wenigen tagen besitze ich Schneeschuhe, doch ich konnte sie noch nicht ausprobieren. Ich war noch nie mit solchen „Tennisschlägern“ an den Füssen unterwegs, es kommt aber bestimmt gut. Ich freue mich durch den Schnee zu stampfen, das wird spätestens in Zell am See möglich sein.

 

Der Schlafsack verspricht auch mehr als er hält. Weil ich doch tatsächlich ende Jahr nach Norwegen in den tiefen Winter fahren möchte muss ich mir noch einen besseren zulegen. Mein grosses Ziel ist es den Geburtstag auf den tiefverschneiten Lofoten zu feiern. Ich freue mich sehr auf das Nordlicht und eine Schneetöfftour. Wie lange ich es in dieser Kälte aushalten werde weis ich nicht, das sehe ich dann vor Ort.