15.07.2007

 

Die Fahrt mit dem Postschiff wurde leider nichts, die dicke Nebelwand breitete sich sogar noch mehr aus. Ich wartete dann noch einen Tag länger und studierte mehrere Wetterdaten und schaute auch einige Webcams an, sogar die Schiffe haben eine an Bord. Da keine Hoffnung auf Besserung bestand fuhr ich mit dem Auto nach Vardø.

 

Der Nebel hat aber auch seine guten Seiten, denn mit ihm machte ich schon die schönsten Fotos. Auf dem Tanahorn ging dank dem Nebel ein Traum in Erfüllung. Wie bereits vor zwei Jahren hatte ich das riessen Glück dass sich Glorien bildeten. Das ist ein runder Regenbogen der im Nebel um meinen Schatten ist. Ich war der glücklichste Mensch auf der Erde.

 

Glorie
Glorie
  

Die Strecke von Vardø nach Hamningberg ist ein Geheimtipp, denn die Felsen kommen ganz speziell aus dem Boden, sie sind Senkrecht. Am Ende hat es einen herrlichen Platz zum Wild Campen. Die Wiese wäre wunderbar gewesen, doch ich wollte mal eine Nacht im Auto verbringen um zu testen wie es sich anfühlt. Ich lag in meinem Bett und schrieb Tagebuch da tauchten auf einmal etwa 50 Rentiere auf. Sie Weideten bis zu 1m von meinem Auto entfernt, es war ein grossartiges Erlebnis. Die Nacht im Auto war ausgezeichnet, ich hätte es nicht gedacht.

 

Den Abstecher von Kirkenes nach Grense Jakobself ist auch eine Reise wert. Die letzten paar Kilometer verlaufen am Grenzfluss von Norwegen und Russland. Der Fluss ist nur 10-20 Meter breit und nicht tief. Die vielen Verbotstafeln und das Militär schreckten mich aber ab einen Fuss nach Russland zu setzten, ich möchte nicht im Knast landen. Direkt an der Grenze übernachtete ich dann nochmals im Auto. Angst musste ich keine haben, denn das Norwegische Militär sah alles vom Beobachtungsposten aus und die sie fuhren auch Patrulien. Auch hier erlebte ich Tiere hautnah. Im Fjord draussen hatte es etwa 5 Belugawale die nach Fischen tauchten. Von den Tieren sah man aber nur der weise Rücken, sonst eigentlich nichts.

 
Grenzfluss
Grenzfluss Norwegen-Russland
  

Auf der Strecke nach Rovaniemi begegneten mir immer wieder Rentiere und wenn man das Auto anschaut offenbar auch einige Mücken. In Finnland komme ich sehr gut voran, denn ausser viel Wald und ab und zu einem See sieht man nicht so viel. Wenn möglich geht es immer auf Strecken die als besonders schön auf der Karte eingetragen sind, doch irgendwie sieht alles gleich aus. Die Routenwahl bereue ich aber nicht, ich wollte diese Wälder auch mal erleben.

 

                                                          


100 Tage als Reisender

 

Übernachten:7-mal im Haus, 2-mal im Auto, 5-mal Wild
Zeltaufbau:57-mal, davon hat es 4-mal beim Aufbau und 2-mal beim Abbau leicht geregnet, aber wirklich nicht stark.
Blache:13-Mal. In GB und IRL hat es oft zu stark gewindet, da baute ich sie nicht auf. Bei längeren Aufenthalten baute ich sie auf und war sehr froh darum.
Fahrrad:35 Tage. Der Transport ist teuer, doch ich habe schon so manche kurze oder lange Tour damit gemacht, ich bin froh dass ich es dabei habe.
Tanken:28-mal, dabei habe ich 861 Liter Diesel gefasst, das sind 6,023 l/100km. Hier im Norden gehe ich lieber einmal zu viel tanken, denn die Tankstellen sind teilweise sehr weit auseinander.
Budget:Es sieht nicht schlecht aus, ich kann die nächsten 100 Tag ruhig in Angriff nehmen.
Heimweh:Was ist das? Ich bin immer noch so Fit und Munter wie am ersten Tag. Es geht mir ausgezeichnet. Dank dem Internet bin ich immer wieder mit zu Hause verbunden.
Einsam:Das alleine Reisen macht Spass. Ich fühlte mich noch keine Sekunde einsam. Bevor es mir langweilig wird breche ich das Zelt ab und ziehe weiter. In letzter Zeit habe ich vermehrt ganz tolle Leute kennen gelernt.
Essen:Einmal täglich koche ich ein feines Menu. Mal ist es einfach, ab und zu lege ich mich auch für ein grosses Mahl ins Zeug. Das Einkaufen ist schwieriger als in der Schweiz da die Auswahl oft nur klein ist und ich nur erraten kann was es sein könnte. Die Packungen sind meistens für eine Familie ausgelegt.
Mücken:Es hat viel weniger als allgemein angenommen wird. Sie fressten mich erst einmal, dafür richtig. An beiden Armen hatte ich mindestens 30 Blessuren und dadurch zwei Nächte mit wenig Schlaf, doch sonst muss man die Tierchen fast suchen!  
Grenzübergänge:19-mal habe ich eine Landesgrenze passiert und dabei 12 verschiedene Länder befahren.
Ansichtskarten:7 Stück. Fragst du dich wann endlich eine Karte kommt? Sei nicht traurig, auch meine Eltern haben noch keine bekommen.
Navigation:Um das Navigationssystem bin ich sehr froh, es weist mir sehr zuverlässig den Weg. Doch ohne Strassenkarte geht es nicht, dort ist die Übersicht besser. Die Kombination ist optimal.
Ausblick:Das Puzzle meiner Route setzt sich langsam aber sicher zusammen. Mitte August gehe ich in die Nähe von  Rostock zu meinem Schulfreund Matthias. Wenn alles klappt geht es danach nach Bremen um einen Tag auf einem Schlepper zu erleben. Ende August treffe ich meinen Bruder in Gent, bis am 5.9.07 sind wir dann gemeinsam unterwegs. Wo es durchgeht weis ich nicht, das hat Stefan geplant, ich lasse mich überraschen. Auf das wiedersehen freue ich mich riesig.
 Wie es dann weitergeht möchte ich noch nicht sagen. Eine mögliche Route gibt es, doch die ist noch nicht beschlossen.