Nach den fantastischen Tagen in Lake Louise galt es das gute Wetter auszunutzen um zügig in Richtung Osten zu kommen wo ich mitte Januar mein Camper in Halifax verschiffen werde. Zuvor genoss ich aber nochmals die Berge vom Banff und Jasper Nationalpark.

Weil das Wetter ganz gut ist beschloss ich zuerst nochmals in den Norden nach Jasper zu fahren. Diese Traumstrasse durch die Rocki's beeindruckte mich bereits im letzten Sommer. Diesmal nahm ich Stephan aus dem Urnerland mit. Er arbeitete auch für die Skirennen und brachte mich so auf die Idee ebenfalls an der Piste zu Arbeiten. Es war toll wieder einmal einen ganzen Tag Schweizerdeutsch zu sprechen und sich über das Reisen und die geliebte Schweiz zu unterhalten. Die verschneite Winterlandschaft verzauberte uns beide in eine Märchenlandschaft. Die weissen Berge und der Schnee auf den Bäumen erinnerte mich an die schöne Zeit von Skandinavien. Im Sommer hatte es hunderte von Camper und Touristen, doch zu dieser Jahreszeit waren wir nahezu alleine unterwegs. Tiere waren kaum mehr zu sehen und die Wege zu Wasserfällen uns Seen waren oftmals unzugänglich. Die Genussfahrt war aber trotzdem einen winterlichen Höhepunkt. Kurz nach dem Columbia Icefield, genau in der Mitte der Strecke öffnete Stephan die Chips und bot mir auch welche an. Zum Essen bin ich aber vorerst nicht gekommen, denn wir mussten ersteinmal mein Camper wieder auf die Strasse bringen. Ich war von der Strasse abgekommen und stand auf einmal im tiefen Schnee. Wir stiegen aus und machten zuerst Fotos von der grossartigen Landschaft rund herum. Wir hatten wirklich den schönsten Ort ausgewählt für einen „Zwischenstopp“. Noch bevor wir schauen konnten wie es um das Auto steht stand ein Hilfsbereiter Kanadier zur Stelle um uns zu Bergen. Alles Ziehen nützte nichts, der Vivaro war zu fest im Schnee festgefahren. Drei leere Autobusse hielten ebenfalls und boten uns an mit ihrem Satellitentelefon einen Pannendienst vom 100km entfernten Jasper aufzubieten. Ich lehnte ab und wir begannen mit unseren Lawinenschaufeln der Camper frei zu bekommen. Noch nicht ganz fertig war schon wieder ein freundlicher Helfer zur Stelle. Gemeinsam räumten wir den letzten Schnee zur Seite und zogen den Vivaro dann wieder auf die Strasse. Bevor die Fahrt ohne Schaden und mit einem Erlebnis reicher weiter ging gönnten wir uns noch ein paar Chips.


In Jasper nahmen wir uns ein Zimmer bei einer Familie und gingen auswärts Cheeseburger und Frites essen. Am anderen Tag brachte ich Stephan zum Skilift und fuhr die Strecke nach Lake Louise wieder zurück, ohne Panne! Ich gönnte mir nochmals die Jugendherberge bevor es dann definitiv zurück in den Osten ging. Von Lake Louise nach Ottawa, der Hauptstadt Kanadas, legte ich während 11 Tagen durchschnittlich 357 Kilometer zurück. Ich rechnete mit 3 bis 7 Tagen mehr für diese Strecke. Die ersten Tage war das Wetter wolkenlos, aber sehr kalt mit Nächten von bis zu -25 Grad. Nach dem verlassen von Alberta wurde es täglich bewölkter und damit auch wärmer. Die Strasse war genial zum Befahren, weder Schnee noch Eis war vorhanden. In Thunder Bay mit 110'00 Einwohnern bezog ich Geld und wurde dabei von Bob angesprochen. Wir trafen uns letzten Sommer im Waterton Nationalpark. Dass man sich nach einer so langen Zeit in einer so grossen Stadt wiedersieht grenzt schon an ein Wunder. Ich ging zu ihm und seiner Frau einen kurzen Besuch machen bevor es dann wieder weiter ging. Fast hätte ich noch vergessen die Weihnachtspost aufzugeben.

In Marathon am Lake Superior verbrachte ich schon mal zwei Nächte am See, doch diesmal war die Zufahrt mit grossen Baumstämmen blockiert. Auch die Zufahrt auf der anderen Dorfseite hatte Wintersperre. So parkte ich eben in der Nähe von Häusern und konnte dafür von ungeschützten Internetnetzwerken profitieren. Das Wetter spielte anschliessend verrückt. Eigentlich sollte es zu dieser Jahreszeit Schnee haben, doch auf der Weiterfahrt regnete es immer wieder! In Sault Ste. Marie suchte ich das Haus von Jastin auf für einen kurzen Überraschungsbesuch. Er sang im letzten Frühjahr auf einer einsamen Insel ein Lied über mich. In Ottawa besuchte ich Steven und Familie. Er und sein Sohn flogen extra für die Skirennen in den Westen um dort als Volunteer zu Arbeiten. Meine Fotos und Geschichten stiessen bei ihnen und den Besuchen auf Begeisterung. Mit dem Bus besuchte ich das nahe Zentrum von Ottawa. Das grosse, schlossartige, Parlamentsgebäude war mein erster Programmpunkt. Auf einer Führung durch das Gebäude konnte ich die Parlamentssäle begutachten und mich ein wenig in die Schweiz zurück versetzten. Die vielen Steinbögen erinnern stark an das Bundeshaus in Bern. Auf dem Aussichtsturm verschaffte ich mir einen Überblick auf den Fluss und die Stadt. Ich habe die Stadt als sehr sauber und recht ruhig in Erinnerung.

Im Bundesstaat Ontario war fast alles zweisprachig angeschrieben. Nach dem Überqueren des Ottawariver änderte sich dies Schlagartig. Der Fluss ist so etwas wie der Röstigraben in der Schweiz. In Quebec wird nicht nur noch französisch gesprochen, auch die Dorfbilder sind anders. Man könnte wirklich meinen irgendwo in Frankreich gelandet zu sein. Viele Leute können auch kein Englisch, was mich vermehrt wieder vor Schwierigkeiten bringt. Englisch kann ich mich einigermasen ausdrücken, doch mit Französisch habe ich keine Ahnung mehr, obwohl ich das im Gegensatz zu Englisch einmal in der Schule hatte. Vorerst muss ich mich mit diesem Thema aber nicht beschäftigen, denn einen weiteren Besuch stand auf dem Programm. Barbara besuchte mit mir vor einigen Jahren das Karate bevor sie vor 5 Jahren ihre sieben Sachen packte und nach Kanada auswanderte. Mein Kontakt zu ihr brach vor rund zwei Jahren ab, so war das Wiedersehen umso freudiger. Sie wagte damals den grossen mit vielen Hürden verstellten Weg nach Kanada und scheint hier glücklich zu sein.

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