Der Skizirkus hat Lake Louise wieder verlassen und ist weiter gereist. Es war eine Hammer tolle Woche mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen auf und neben der Piste. Alle meine Erwartungen wurden voll übertroffen.

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Das frühe Aufstehen am zweiten Arbeitstag war noch nicht so einfach. Mein Einzelzimmer mit einem grossen Bett war einfach zu bequem. Noch bei Dunkelheit setzte ich mich auf den Sessellift und fuhr den Berg hoch. Diesmal fuhr ich auch mit dem zweiten Lift, der mich an den Start des Rennens brachte. Mit dem schwachen Licht der Stirnlampe suchten wir uns einen Weg um die Steine, die mit einer dünnen Schneeschicht überzogen waren. Es gab den einen oder anderen Kratzer in den Skis. Bei der Sektion oberhalb meines Sektors halfen wir zuerst den Zaun und die B-Netze wieder zu montieren. An dieser Stelle werden die Netze jeweils über die Nacht abgebaut um den Tieren das Queren der Piste zu ermöglichen. Tierspuren waren allerdings nie zu finden.

In unserem Sektor galt es dann die Neuschneeschicht von letzter Nacht von der Piste zu entfernen. Es waren nur wenige Zentimeter, doch auf eine Pisten breite von 7.5m und eine Länge von 3065m macht das viel Schnee. Neben der Piste half zum Glück noch das Pistenfahrzeug den Schnee zu komprimieren.

Bei der Besichtigung war der Schnee ausserhalb der blauen Linien und die Rennpiste lag wieder frei. Dank Sonnenschein waren alle Betreuer und Fahrerinnen gut drauf und freuten sich auf das zweite Training. Die Piste war noch immer etwas weich, doch der Wind war das grössere Problem. Daher waren die Trainingszeiten mit Vorsicht zu geniessen.

Am Abend fuhren wir zum Chateau hoch um eine grosse Helferparty zu feiern. Auf dem grossen Gelände dieses 5 Sterne Hauses hat es eine grosse Festhalle, die total cool eingerichtet ist. Alles war mit Cowboys und Western Utensilien geschmückt und die Live Band sorgte für die Stimmung. Es wurde ein ausgelassener typisch Kanadischer Abend. Das grosse Fleisch wurde mit der Mistgabel auf das Buffet gebracht. Die beiden noch jungen kanadischen Rennfahrerinnen zeigten sich auch noch auf der Bühne auf der sie viele Glückwünsche für die Rennen entgegen nehmen durften. Es war ein sehr gelungenes Fest wie ich es wohl nie wieder erleben werde.

Dank dem es in der Nacht nicht schneite war nach dem fest erst um 7 Uhr Tagwache, welch eine Freude! Die Piste präsentierte sich nun in einem kompakten Zustand. Es ist unglaublich wie sich die Piste in den letzten Tagen verändert hat. Sie wurde hart und aggressiv. Exakt mit dem erreichen der Bergstation leuchtete der Himmel in einem orangen Ton welcher bald darauf von der Sonne abgelöst wurde. Es gab nicht viel zu machen auf der Piste, so konnte ich das wunderbare Wetter geniessen und noch ein wenig Skifahren. Das letzte Training vor den Rennen verlief einwandfrei. Eigentlich dürfte man auf der Piste nicht fotografieren weil man wegen den Objektiven die Distanzen bei einem Sturz sehr schlecht einschätzen kann. Der Schweizer FIS verantwortliche sagte mir ich solle einfach näher ans A-Netz stehen dann könne ich schon ein paar Fotos machen.

Nach einem ausgiebigem Bad im Hotpool wurden wir Helfer mit einem Geschenk für die Arbeit belohnt. In diesem Jahr gab es einen absolut genialen Rucksack in dem allerlei Fächer für die Skiausrüstung vorhanden sind. Rückenpanzer, Helm, Skischuhe, Stöcke, Verpflegung und vieles mehr kann ordentlich verstaut werden.

Nach drei Trainingsläufen war dann am Freitag endlich das erste Rennen. Während der Besichtigung vor dem Rennen wurde ich vom Schweizer Coach gefragt ob ich denn ein Foto mit Mirena Küng wolle! Natürlich wollte ich mit dieser sympathische Sportlerin ein Foto schiessen, denn ich hatte sie bereits am letzten Sonntag beim Einchecken im Hotel kennen gelernt. Beim Rennen reichte es ihr dann aber leider nur auf Platz 47. Mit astronomischen 1.95 Sekunden Vorsprung gewann die Amerikanerin Lindsey Vonn die erste Abfahrt von Lake Louise. Auch das Schwizerteam durfte feiern, denn die Liechtensteinerin Tina Weirather wurde zweite und Dominique Gisin dritte.

Beim samstäglichen Rennen war die Piste in einem eisigen und griffigem Zustand, so wie sie sein sollte. Ich hätte den Mut nicht die Bretter mit rund 130km/h flitzen zu lassen. Der Starthang und Steilhang ist wie eine Eisbahn, ich habe alle Achtung vor den Rennfahrerinnen, die da herunter düsen. Bei bewölktem Wetter gewann Lidsey Vonn schon wieder ein Preisgeld von 30'000 Schweizer Franken. Dominique Gisin wurde als beste Schweizerin fünfte. Mirena konnte sich stark steigern und verpasste mit dem 31. Platz ganz knapp die Punkte. Es war interessant auf der Piste zu stehen und die Fahrerinnen wenige Meter neben mir vorbei flitzen zu sehen. Aber sonst habe ich vom Rennen selber nicht viel mitbekommen. Weder Zeiten noch Platzierungen habe ich auf der Piste erfahren. Im Fernseher sieht man definitiv mehr. Es war aber ein ganz tolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Nach dem Rennen wurde der Super-G vom Schweizer Trainer ausgesteckt. Das gab einiges an Arbeit für mich, denn es musste wieder viel Schnee verschoben werden um eine griffige und ebene Rennpiste herzurichten.

Am Samstagabend wurden wir ins Chateau zum Aperitif und zur Nummernauslosung eingeladen. Die Top 15 Fahrerinnen des Super-G waren anwesend und durften ihre Startnummer auslosen. Es war toll all die Fahrerinnen ohne Helm zu sehen. Mit Dominique Gisin tauschte ich noch ein paar Worte und machte ein gemeinsames Foto. Nach der Auslosung mussten die Fahrerinnen aber schnell zur Videoanalyse gehen und den Kurs vom Sonntag einstudieren.

Auf dem Rückweg machte die Polizei in Lake Louise eine grosse Kontrolle. Meine erste Kontrolle wurde nun Tatsache. Ich wurde nach den Ausweisen gefragt und ob ich denn etwas getrunken habe. Getrunken hatte ich natürlich nicht und der Führerschein befand sich hinten im Wohnraum. Das erfreute den Polizisten nicht so ganz. Die weitere Frage war dann woher ich denn komme. Ab sofort war es keine Kontrolle mehr, sondern ein Gespräch auf Schweizerdeutsch! Der Polizist war mit 15 Jahren nach Kanada ausgewandert! Eine „Polizeikontrolle“ auf Schweizerdeutsch hätte ich niemals erwartet. Ich fuhr schon weiter zu meinem Hotel als ich die Idee hatte dies noch zu fotografieren. So fuhr ich eben nochmals zurück, schenkte einen Schlüsselanhänger von mir und machte Fotos.

Zum Abschluss fand am Sonntag bei traumhaftem Wetter der Super-G statt. Die Strecke ist kürzer als bei der Abfahrt und hat mehr Tore zu umfahren. Ich stand wieder auf der Piste, diesmal rund 200 Meter nach dem Start zwischen Tor 3 und 4. Ich feuerte die Schweizerinnen nochmals vollgas an, doch Lindsey war schon wieder nicht zu schlagen. Die Österreicherin Anna Fenninger verlor aber nur 19 Hundertstel auf Vonn. Mit Julia Mancuso stand eine weitere Amerikanerin auf dem Podest. Lara Gut verpasste die Medaillen um nur 13 Hundertstel. Auch Martina Schild, Fabienne Suter, Dominique Gisin und Mirena Küng fuhren in die Punkteränge. Nach dem Rennen reiste der gesamte Zirkus nach Calgary um am Montag früh nach Amerika zu fliegen. Für uns Helfer war aber noch nicht Feierabend, denn die Netze, Airbags, das Zielareal und vieles mehr musste noch abgebaut werden. Ich half noch ein Stündchen mit, machte dann aber Feierabend um noch eine Stunde Ski zu fahren und zu fotografieren. Am Abend gab es im Hotel ein Abschlussessen auf eine gelungene Rennwoche.

Es war eine intensive Woche mit sehr vielen Erlebnissen und neuen Freundschaften. Ich habe sehr viel erlebt und auf der Piste auch gelernt. Es ist gut möglich dass ich mein neues Wissen auch mal bei einem Rennen in der Schweiz anwenden werde. Die 7 Nächte in meinem eigenen Hotelzimmer waren purer Luxus, doch das erleichterte das frühe Aufstehen nicht gerade. Ich freue mich nun wieder nach meinem eigenen Rhythmus zu gehen der sich in den letzten Monaten ergeben hat.

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