Je näher ich mich dem Banff Nationalpark näherte umso mehr Schnee hatte es. Auch die Wolken lockerten sich immer mehr auf um der Sonne Platz zu machen. Weil der Campingplatz in Lake Louise viel weniger Konfort bot und erst noch gleich teuer ist wie das Hostel entschied ich mich für das warme Zimmer. Das waren meine ersten vier Nächte in einem Hostel und ich war von der Preis/Leistung voll begeistert.

Die Skirennen finden sozusagen im familiären Rahmen statt. Im Restaurant sind nicht nur die Tagesgäste zu finden, sondern auch alle Athleten und Betreuer. Wer eine Unterschrift oder ein Foto von Cuche und Co wollte hatte die besten Chancen. Beim Abschlusstraining der Abfahrtsmänner positionierte ich mich oben am Zielhang bei den Fotografen. Auch mit meiner bescheidenen Ausrüstung konnte ich tolle Fotos machen. Nach dem Training fuhr ich zum See oberhalb des Dörfchens wo ich im letzten Sommer Kajak gefahren bin. Eine dicke Eis und Schneeschicht machte das Kajak fahren aber unmöglich. Dank der Tiefverschneiten Winterlandschaft lohnte sich die Fahrt aber trotzdem.

Am Samstag fand dann das ersehnte Rennen statt. Die Fahrer hatten eine Strecke von 3km zu absolvieren, die aber keine grössere Sprünge aufweist. Es hat schon steile Passagen, doch die sind für die Profis ein Klacks. Ich schnappte mir einen Besen und befreite die Miniaturtribüne vom Schnee. Für 10 Minuten Arbeit konnte ich dafür die ganze Zeit im VIP Bereich sein. Dort lernte ich unter anderem einen Teil der Geschäftsleitungsmitglieder der Firma Stobag kennen. Die Stobag unterstützt die Skirennen seit letzter Saison als einer der Hauptsponsoren. Der Hauptsitz dieser Firma die auf vielseitige Schattenspender spezialisiert sind, ist in Muri wo auch ich wohne.

Das Interesse der Kanadier an den Rennen ist gleich Null. So hatte es auch nur geschätzte 1'000 Zuschauer, die das Rennen mitverfolgten. Stimmung kam kaum auf, ausser bei den Schweizern, denn deren Fans waren wohl in Überzahl. Didier Cuche überzeugte einmal mehr und gewann das Rennen von Lake Louise. Auf der kleinen „Grossleinwand“ war nicht so viel zu erkennen, doch Hauptsache dass wir immer wussten wie die aktuellen Zeiten sind. Immerhin konnte ich das originelle Skiausziehen von Cuche Live miterleben. Der zweite Platz belegte mit Beat Feuz nochmals ein Schweizer, Juhuuu.

Bei der Siegerehrung fuhr mich die Schweizer Nationalhymne extrem fest ein. Es war einfach der absolute Hammer diese niemals erträumte Melodie zu hören. Stolz streckte ich meine kleine Flagge in die Höhe und genoss diesen Augenblick. Anschliessend ging ich doch noch zu Didier und bat ihn um eine Unterschrift.

Zurück im Hostel machte ich mich bereit für den Ausgang. Von der Stobag wurde ich ins edelste Haus des Ortes, ins Fairmont Chateou Lake Louise eingeladen. Während dem Aperitif mit Weindegustation wurde auch die gesamte Nationalmannschaft der Kanadischen Skicracks vorgestellt. In der Wallisser Stube durfte ich mir dann ein feines Essen auslesen. Es war das beste und eleganteste Essen das ich auf meiner Reise hatte.

Auch beim Super-G war ich wieder im VIP Bereich zu Gast. Cuche bot auch auf der etwas verkürzten Strecke eine starke Leistung, wurde aber vom Norweger Aksel Lund Svindal geschlagen. Im Tausch gegen eine Foto DVD wurde ich am Abend von der Stobag nochmals ich Chateou eingeladen. Der Fondueabend rundete dieses geniale Wochenende hervorragend ab.

Am Montagmorgen ging ich ins Volunteer Zelt und fragte ob ich die kommenden Tage an der Piste arbeiten darf. Die Freude auf mein Angebot war gross, ich wurde gleich mit einem Skipass ausgerüstet. Da ich keine Ski dabei habe fuhr ich ins Dorf um Skier zu Spezialkonditionen zu mieten. Wieder im Skigebiet war erst einmal geniessen angesagt. Bei Sonnenschein und genialem Schnee machte ich meine ersten Abfahrten seit längerem. Am Nachmittag musste ich nochmals im Zelt vorbei schauen um die Hotelreservation vorzunehmen. Am Abend konnte ich im Hotel Lake Louise Inn ein grosses Zimmer beziehen das ich für mich alleine habe. Für mindestens 6 Nächte ist dies nun mein Reich.

Heute Dienstag war dann nun mein erster Arbeitstag in diesem Jahr. Bereits um 5:30 Uhr gab es im Zielbereich ein grosses Frühstücksbuffet mit Speck, Eiern, Waffeln, Gipfeli und vielem mehr. Zudem konnte ich zwischen 7 verschiedenen Lunchboxen auswählen und mich mit Wärmekissen ausrüsten. Auch eine persönliche Staffkarte mit meinem Namen konnte ich beziehen. Noch im Dunkeln fuhren wir den Berg hoch und marschierten die letzten Metern zu unserem Sektor. Wir sind zu viert von der Course Crew die für den Unterhalt der Sektion Olympic Crossing zuständig sind. Während der Besichtigung der Fahrerinnen begannen wir den losen Schnee aus der Piste zu schieben. Die Betreuer und teils auch Fahrerinnen halfen uns indem sie mit dem Stemmbogen den Schnee aus der Piste rutschten. Es war interessant die verschiedenen Arten der Vorbereitung mit zu erleben. Die Piste ist nicht sonderlich hart wegen dem vielen Schnee von letzter Woche. Mein Arbeitsplatz ist auch nicht zu steil, das Stehen ist problemlos möglich was das Arbeiten sehr vereinfacht.

Nach einigem Rechen und Schaufeln war dann um 11 Uhr Start zum ersten Training an dem 61 Fahrerinnen teilnahmen. Ich stand auf der Piste und konnte das Rennen 5 Tore lang mitverfolgen. Bei zwei Toren war ich zuständig die Torfahnen wieder zu montieren falls sie weggerissen wurden. Meistens war der Abstand zu den Toren aber noch recht gross, das wird sich im Verlauf der Woche aber noch ändern. Das erste Training wurde überlegen von Lindsey Vonn gewonnen.

Nach einem heissen Schoggidrink machte ich selber noch ein paar Abfahrten, allerdings nicht auf der Rennstrecke. Zurück am Arbeitsplatz rutschten wir mit den Skiern runter und machten dann Feierabend. Im Hotel suchte ich das heisse Sprudelbad auf um den Muskelkater im Oberschenkel einzudämmen. Anschliessend war ein Pizzaabend für die Freiwilligen angesagt.

Morgen werde ich meine Fotoausrüstung mit auf die Piste nehmen um die Fahrerinnen beim zweiten Training zu fotografieren.

 

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