Die Suche nach Gold war leider nicht erfolgreich, doch der Kajaktripp war trotzdem ein riesen grosses Highlight! Ich wurde von einem Elch wach geküsst und fühlte mich ganz klein in dieser unendlich grossen Fläche ohne Zivilisation.

Das Kajak war total überladen als ich in Whitehorse zu meinem Abenteuer startete. Die Stromschnellen direkt beim Einstieg waren recht happig, doch kurze Zeit später wurde der Fluss ruhig und gemächlich. Wegen dem hohen Gewicht lag das Kajak tief im Wasser, war aber sehr gut zum Fahren. Auf den ersten Kilometern waren die Geräusche der Stadt noch zu hören, doch schon bald war ich ganz alleine und kein Laut war zu hören.

Der wegen dem Wind sehr berüchtigte Lake Laberge war für mich kein Problem, denn während der ersten Hälfte hatte ich keinen Wind und am zweiten Tag kam der Wind von hinten. Für die 50km auf dem See benötigte ich nur 9 Stunden, ich war mehr als zufrieden. Ab dem Ende vom See holte mich die Geschichte vom Goldrausch von 1898 ein. Es waren immer wieder verfallene Holzhütten, Werkzeuge und Schiffswracks zu sehen.

Nach dem See war das Wasser des Yukons glasklar. Ein paar schnellere Abschnitte boten einwenig Abwechslung, ansonsten ging es eher gemütlich voran. Ab dem Teslinriver ist das Wasser mit Sand „verseucht“, doch dies war für meinen Wasserfilter kein Problem. Der Fluss machte hunderte von Kurven um Berge herum, gerade Abschnitte von mehr als ein paar hundert Meter gab es nicht. Hinter jeder Biegung sah man wieder einen anderen Berg. Der Wald ist unbeschreiblich gross und leuchtete intensiv grün. Riesen grosse Flächen sind aber auch durch Waldbrände zerstört worden. Es spriesst wieder neues Leben, doch bis der Wald wieder nachgewachsen ist dauert es noch Jahrzehnte.

 


 

Das Ufer und in den Wipfeln der Bäume sassen oftmals Weisskopfseeadler, die nach Fischen Ausschau hielten. Ich sah bestimmt 30 Weisskopfseeadler und sonstige grosse Greifvögel. Mit etwas Glück waren auch viele andere Tiere zu sehen. Einmal war ein Elch zu sichten und dann wieder einen Bären. Mit dem Kajak konnte ich mich ein paar mal an Bären schleichen und dann ihr verdutztes Gesicht sehen. Ich hielt immer einen gewissen Sicherheitsabstand ein, doch die Bären waren jeweils so verwirrt von meinem gelben Kajak, dass sie nicht wussten ob sie angreifen oder flüchten sollten. Beim allabendlichen Zelten musste ich einige Sicherheitsvorkehrungen treffen um in der Nacht nicht von einem Bären überfallen zu werden. Falls immer möglich schlief ich auf einer Insel, denn da wohnen keine Bären, doch sie laufen bei Flussquerungen auch dort herum. Das Essen band ich immer wenn möglich hoch in die Äste der Bäume oder lies es auf gut Glück luftdicht im Kajak liegen, was mir aber nicht so sicher erschien. Kochen im Zelt oder darin Lebensmittel zu lagern ist absolut verboten, auch die Zahnpasta lockt Bären an.

 


 

Nach 300km mit sehr wechselhaftem Wetter erreichte ich Carmacks mit der einzigen Möglichkeit zum Einkaufen. Brot und Fleisch fanden den Weg in mein Kajak bevor es zur schwersten Stelle dieses Flusses ging. Bei den 5 Finger Rapits gab es schon manchen Materialverlust und auch schon Tote. Ich zurrte zuvor noch alles Fest und tastete mich langsam heran. Wie in meinem Flussbuch ausdrücklich empfohlen fuhr ich rechts zwischen den Felsen durch. Das Wellenbad war viel zu schnell vorbei und ich bekam nicht einmal einen Wassertropfen ins Gesicht. Das war es denn auch schon, für mich und das Kajak absolut kein Problem.

 


 

Die gesamte Landschaft wurde nun flacher und übersichtlicher. Bis Carmacks war es einen total anderen Fluss gewesen. Es gab noch immer viele Kurven, doch auch immer wieder grössere Geraden. Wie die Landschaft hat auch das Wetter geändert. In der Nacht wurde es eisig kalt, doch am Nachmittag war oftmals T-Shirt Wetter angesagt.

An einen Abend kochte ich mir auf einer Insel Curryreis. Der Wind verbreitete den herrlichen Duft weitherum, so dass während dem Essen ein Bär auf der anderen Seite vom Ufer seine Nase in meine Richtung streckte. Er stieg etwas zögernd ins kalte Wasser, kehrte aber sehr schnell wieder zurück an Land. Ohne Teilen zu müssen konnte ich in aller Ruhe weiter Essen.

Neben den 5 Schwarzbären boten auch 3 Stachelschweine Abwechslung. Am einen Morgen wachte ich wie gewöhnlich um 8 Uhr auf, blieb aber noch eine Weile liegen. Ich war wieder im Halbschlaf als die Zeltwand an meine Wange gedrückt wurde. Der Puls stieg in ungeahnte Höhen, doch sonst blieb ich recht gelassen. Ich setzte mich mitten ins Zelt, entsicherte den Bärenspray und nahm das scharfe Beil in die Hand. Es blieb aber ruhig, so dass ich ein paar Minuten später auf Spurensuche gehen konnte. Ob es ein Bär oder Elch war wusste ich nicht, doch die frischen Spuren ums Zelt gaben mir die Gewissheit, dass es einen Elch war, der mich wach geküsst hat. Da hatte ich grosses Glück, denn durch Elche sterben so viele Leute wie durch Bären.

Nach einem bedeckten Tag kämpfte sich am Abend die Sonne durch die Wolken und verhüllte die Landschaft in eine  goldenes Licht. Auf Goldsuche war ich nicht, doch dieses Licht war schöner als die Goldnuggets.

 


 

Beim Whiteriver und ein paar Kilometer Flussaufwärts stieg ich auf einen Berg und genoss das herrliche Panorama auf das Flussdelta mit den vielen Inseln. Von dort oben konnte ich auch sehen wie eine Elchkuh mit einem Jungen den breiten Fluss querte. Durch die Strömung trieben sie ab, gelangten aber sicher ans andere Ufer.

Nach 16 Paddeltagen plus zwei Ruhetagen war das Ziel nicht mehr weit. Am letzten Tag gab ich für einmal Vollgas und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15.2km/h. In einer Fahrzeit von 69:34 Stunden absolvierte ich 703.7 km. Durch die vielen Flüsse, die in den Yukonriver fliessen wird er immer breiter und auch etwas schneller. Mein Topspeed betrug am Schluss beachtliche 21.8km/h. Im späteren Sommer und Herbst ist der Fluss auch gut von Anfängern zu befahren und ein richtig tolles Erlebnis. Ich kann die Reise sehr empfehlen, denn mit Condor und Edelweiss gibt es direkte Flüge nach Whithehorse. Ansonsten gibt es keine internationale Verbindungen! 

Das Fotoalbum wird laufen aktualisiert!

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