Nach einigen Besorgungen und weiteren Einladungen zu Nachtessen, die ausgezeichnet schmeckten, war ich wieder bereit durch das Hinterland von Kanada zu reisen. Ich hatte die Wahl zwischen Städten und Wald. Einstimmig wurde die Waldstrasse gewählt.

 

Die als schmal bezeichneten Strassen 167 und 113 entsprach Schweizer Durchschnitt und waren gut zu befahren.  Die Weitsicht ist sehr beschränkt, doch mein Auge erfreute sich am dichten Wald und einem Elch am Strassenrand.

Am Lac Charron fand ich einen leeren Campingplatz mit einem tollen Blick auf den See. Zwei tolle Plätze hatte ich in der engeren Auswahl, ich entschied mich dann für denjenigen mit Abendsonne. Der Stellplatz war einfach grossartig, ganz kleiner Schwachpunkt war nur dass ich die Strasse ganz leise hörte, doch störend war sie nicht. In meinem „Garten“ hatte es eine geniale Einwasserungsstelle für das Kajak und wie so oft in Nordamerika einen grossen Gartentisch. Ich fühlte mich gleichwohl und richtete mich für ein paar Tage ein.

Mit einem bezaubertem Licht gleitete die Sonne fast Senkrecht vom Himmel hinunter, die Farbwahl hätte kaum schöner sein können. Als dann im Osten der Vollmond aus dem blauen und violetten Licht zum Vorschein kam fühlte ich mich im siebten Himmel. Es war einfach unbeschreiblich grossartig.Die Erkundung „meines“ Sees erforderte viele Paddelschläge bei sommerlichem Wetter. Das gesamte Ufer ist dicht bewaldet und nichts deutet auf menschliche Spuren, Idylle Pur. Hinter jeder Bucht sah es aus wie es einen neuen See war, doch das bewaldete Ufer sah immer gleich aus. Ohne Navi mit der elektronischen Topo Kanada Karte wäre der Rückweg schwierig geworden. Nach knapp 20km war erst mal Schluss mit dem Erkunden und rund 2/3 des Sees befahren.

 

 

Den einen Tag nutze ich für Arbeiten an meinem „Haus“. Das erst provisorisch angebrachte Moskitonetz musste noch besser abgedichtet werden. Dass sich jemand mit leckerem Blut häuslich eingerichtet hat sprach sich bei den Mücken schnell herum. Für einige Mücken war ich ein Festessen, doch für viele endete das kurze Leben im Schlaraffenland. Bären und Elche liessen sich nicht blicken, die störten sich wohl am Zerklatschen der Mücken. Als dann noch einige Umstellungen von Winter auf Sommer abgeschlossen waren durfte ich endlich Feierabend machen. Auf einer kurzen Kajaktour durch spiegelglattes Wasser erblickte ich einen imposanten Weisskopfseeadler. Leider hatte er keine Freude am gemeinsamen Treffen und suchte deshalb das Weite. Beim Eindunkeln schwirrten viele Mücken umher und wollten bei mir Lebenssaft tanken. Dank dem tollen Netz mit Reissverschluss konnte ich gemütlich im „Wohnzimmer“ sitzen und die „Terrassentüre“ geöffnet lassen. Keine einzige Mücke fand einen Weg zu mir. Auch am nächsten Tag war das Wetter Traumhaft. Ich getraute mich fast nicht durch das Spiegelglatte Wasser zu paddeln. Es war so wie ich durch den Himmel fahren würde. Für solche Momente gibt es einfach keine passenden Worte....

 

 

In Chibougamau musste ich unbedingt wieder Lebensmittel Bunkern, denn das Frühstück und Fleisch war aufgebraucht. In einem äusserst vielseitigem Baumarkt mit einer Top Auswahl erstand ich ein weiteres Mückennetz für die Heckklappe. Nach vielen Kilometern mit lauter Wald stand auf einmal eine Tafel die zum Lac Waswanipi mit Camping führt. Die 8km lange Schotterstrasse war übel zu befahren, dafür landete ich inmitten der Natur ohne Anzeichen von Zivilisation. Häuser, Eisenbahn, Radio- und Natelempfang sucht man vergebens, das ist ja wie geschaffen für mich. Direkt am See errichtete ich mein Nachtlager und genoss das Sommerwetter. Bei Dunkelheit erwachte der Wald zu Leben. Dutzende verschiedener Vögel sangen ihr Lied in die dunkle Nacht. Ich hörte lang zu bis meine Augen zufielen.

 

 

Bei tollem Sonnenschein und leichtem Wind montierte ich das Segel ans Kajak und hoffte mit Windes kraft den Lac Waswanipi grossräumiger zu betrachten. Heute drehte der Wind gegen Mittag nicht auf wie sonst, sondern kam ganz zum erliegen. Ich gleitete also einmal mehr über spiegelglattes Wasser und genoss die absolute Ruhe. Nichts, aber auch gar nichts war zu hören. Erst am Abend erwachte die Vogelwelt wieder und gab erneut ein tolles Konzert.

 

Das Fotoalbum wird laufen aktualisiert!

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