Die Strecke von Blanc Sablon bis Baie-Comeau am Saint Lawrence River misst genau 2'000km, davon ist die Hälfte auf Erd- und Schotterstrassen zurück zu legen. Der Vivaro leistete tolle Arbeit und erlitt nur kleine Prellungen und Schürfungen im Unterboden...


Dank dem die Strasse durch Labrador seit kurzem durchgehend existiert war bei mir bald klar, dass ich diese Route durch das Niemandsland nehmen werde. Die Ortschaften unterwegs sind weit auseinander und die Piste machten die Fahrt speziell. Da weder Radio noch ein Telefon funktioniert haben sich Fröhlichs und ich zusammen geschlossen und diese Etappe gemeinsam gemeistert. Der Küste entlang war die Strasse noch Asphaltiert, aber in einem sehr schlechten Zustand. In Battle Harbour lohnt es sich ein Abstecher zu machen, denn die Bucht ist oftmals mit Eisbergen übersät, aber leider nicht in diesem Jahr. In der Nacht war es noch so kalt, dass sich in der geschützten Meeresbucht Eis bildete. Ich blieb mit dem Kajak regelrecht stecken und musste schon bald wieder an Land zurück kehren.

In Port Hope Simpso bekam der Vivaro einen grossen, und teuren, Schluck Diesel um die kommenden 410km zu bewältigen. Auf dieser Strecke bis Happy Valley / Goose Bay gibt es keine Häuser, geschweige denn eine Tankstelle. Die Navigation war eben so einfach, denn es gab unterwegs nur einen Abzweiger, doch man hätte auch mit dem Weltatlas den richtigen Weg gefunden. Die Route führte durch viel Wald und durch wenig Tundra. Es war kein dichter Wald, aber die dünnen Bäume raubten oftmals die Fernsicht. Zwischendurch raubten nicht die Bäume die Sicht, sondern der Schnee. Abschnittweise lag er noch recht hoch, so wie beim Foto war es aber nur ganz kurz. Die Moor- und Tundrafläche hatte ich mir grösser vorgestellt.


Die Strasse war meist in einem guten Zustand und die Schlaglöcher hielten sich in Grenzen. Das aktuelle Wetter macht dabei einen sehr grossen Einfluss. Von Sonnenschein über Regen bis Schnee hatten wir alles zum testen. Ich „flog“ mit rund 60km/h über die Piste und Löcher, die Einheimischen waren mit mindestens 90 Sachen unterwegs. Die Rastplätze auf der neuen Strasse 510 sind sehr rar und kaum optimal für Übernachtungen. (GPS-Daten von Rastplätzen können per Mail angefordert werden).In der zusammen gewachsenen Gemeinden Happy Valley und Goose Bay leben rund 8000 Leute die stark vom Luftwaffenstützpunkt abhängig sind. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz wurden wir verfolgt und beim Schulhaus gestellt. Nein es war nicht die Polizei, sondern Maria und Ingo aus Deutschland. Die beiden haben den langen Weg von Südamerika hinter sich und werden demnächst nach Europa verschiffen. Da es viel zu erzählen gab und Ingo noch Geburtstag feiern konnte gab es einen langen und interessanten Abend. Ich werde die beiden am Weihnachtsmarkt in New York besuchen gehen, denn dort haben sie 4 Stände mit deutschen Spezialitäten. Die Nacht wurde für mich sehr kurz, denn ich studierte immer an Südamerika herum, das wäre doch was.


Nach langem Überlegen wurde klar dass ich dieses Abenteuer für ein anderes Mal aufbewahre, denn in der Schweiz wartet eine schöne Wohnung und ein toller Job auf mich. Wenn ich in ein paar Jahren einen 4x4 mit viel Bodenfreiheit vor dem Haus habe wisst ihr was es geschlagen hat....


 

So, nun aber zurück zur aktuellen Tour, denn auch die dauert noch lange und hat noch einiges zu bieten. Ernest, Hund Calou und ich wanderten zum Muskatfall und waren von den Wassermassen voll begeistert. Auf dem Rückweg erreichte uns dann ein Funkspruch von Susanne dass sich gerade ein Bär bei den Fahrzeugen aufhalte. Susanne klopfte das Herz, doch sie schaffte es den grossen Bären zu verscheuchen. So blieb mir die erste Bärenbegegnung leider noch erspart, dafür konnten wir sicher zu unserem rollenden zu Hause wandern. Auch nach dem Beruhigungstee war der Bär noch im Wald, so fuhren wir eben weiter. Für etwas Nervenkitzel sorge bald darauf einen Abstecher in den Wald. Wenn es schon mal einen Abstecher hat wollte der von mir auch besichtigt werden. Nach einigen Kilometern hatte es erneut einen Abstecher, doch weder die eine noch die andere Strasse führte irgendwo hin. Beim Wendemanöver gruben sich die Räder von meinem Vivaro regelrecht im Sand ein. Der Lastwagen von Fröhlichs's hatte Freude an der Zusatzarbeit und zog mich locker wieder auf den festen Weg. Ohne Hilfe hätte ich nicht nur gegen den Sand gegraben, sondern auch gegen den Schneefall. Weitere Erkundungen im Gelände liessen wir danach sein.


Die rund 660 Bewohner von Churchill Falls leben fast ausschliesslich vom Wasserkraftwerk. Die gewaltige Anlage besichtigen wir auf einer Führung. Nach einem Video wurden wir mit Schutzhelm, Schutzbrille, Leuchtweste und Ohrenstöpseln ausgerüstet und mit dem Lift 300 Meter unter Boden befördert. Die Dimensionen der Turbinenhalle sind gewaltig, auch die Leistung verschägt einem den Atem. Hier wird für bis zu 12 Millionen Leute Strom Produziert! Rund um die Grenze zu Quebec wird Eisenerz im Tagbau abgebaut. Einer der XXXXXXL Lastwagen kann in Fermont bestaunt werden. Ab der Grenze änderte sich nicht nur das Landschaftsbild sondern auch die Sprache. Ab sofort wird nur noch französisch gesprochen und englisch kaum verstanden. Das sind nochmals erschwerte Bedingungen für mich, mein Sprachdurcheinander ist nun komplett ;-)


Der Strassenverlauf wird sehr abwechslungsreich und eine Kurve kommt nach der anderen. Auch der Wald änderte sich, er wurde dicht. Nur etwas änderte sich nicht, die Tierwelt. Auf der gesamten Strecke zeigte sich mir weder ein Bär, noch ein Karibu, geschweige einen Elch. Ich bin schon etwas enttäuscht, verstehe die Tiere aber auch gut, denn die haben ein so enorm grosses Gebiet um ungestört zu leben. Im Sommer hat man garantiert Kontakt mit Tieren, aber mit solchen die man eher nicht mag. Es habe jeweils Milliarden von Mücken die das Leben schwer machen. Dank dem Schneefall und den kühlen Temperaturen wurden wir von diesen Plagegeister verschont. In Baie-Comeau wurden die Fahrzeuge und die Wäsche gereinigt um für weitere Abenteuer bereit zu sein.

Die Zeit mit Susanne, Ernest und Hund Calou war ganz toll und wird noch lange in bester Erinnerung bleiben. Wir gehen nun wieder unsere eigenen Wege, doch ihrer Homepage werde ich öfters anschauen und dann von Südamerika träumen...

Das Fotoalbum wird laufen aktualisiert!

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